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Tempelwelt

Yogastile

Ursprünglich war Yoga ein rein spiritueller Weg, dessen Ziel vor allem in der Suche nach Erleuchtung durch Meditation zum Ziel hatte.

Die klassischen indischen Schriften beschreiben vier Yogawege:

  • Raja Yoga: meditativ orientierte Stufen des Achtgliedrigen Yoga (auch Ashtanga Yoga "Ashta"=acht, "Anga"=Teile)
  • Jnana Yoga: Yoga der Erkenntnis, intellektuelle Richtung
  • Karma-Yoga: Yoga der Tat, des selbstlosen Handelns
  • Bhakti Yoga: Yoga der Verehrung / Hingabe an Gott

Mit dem vorrangigem Ziel, den Körper so zu kräftigen und zu mobilisieren, dass er möglichst beschwerdefrei über einen längeren Zeitraum im Meditationssitz (z.B. Lotussitz) verweilen kann, entstanden im Laufe der Zeit die vielen Asanas.
Mit der Zeit wurde immer mehr die positive Wirkung der körperlichen Übungen auf das gesamte Wohlbefinden des Menschen erkannt, so dass die Asanas immer weiterentwickelt wurden. Auch die körperliche Betätigung im Yoga erhält so einen immer höheren Stellenwert.

Heute gibt viele verschiedene Formen des Yoga, oft mit einer eigenen Philosophie und Praxis. Einige meditative Formen von Yoga legen ihren Schwerpunkt auf die geistige Konzentration, andere mehr auf körperliche Übungen (Asanas) und Positionen (Yogasanas) und Atemübungen (Pranayama), einige Richtungen betonen die Askese.

Viele Yogalehrende verbinden verschiedene Yogastile (Mischformen). Daraus ergeben sich unterschiedliche Schwerpunkte mit mehr oder weniger oder auch gar keiner Orientierung mehr an indischen Weltanschauungen.

In alphabetischer Reihenfolge lernen Sie hier verschiedenste Yogastile und ihren Urspung kennen. Jährlich kommen einige neue Yoga-Mischformen hinzu, die für den Laien schwer nachvollziehbar sind.

Anusara-Yoga
anusara = "Folgen, Nachfolgen" oder "natürlicher Zustand"
Nicht die perfekt ausgeführten Asanas stehen im Mittelpunkt, sondern die natürliche Freude, mit der sie ausgeführt werden - eine "dem Herzen folgende" Yogapraxis.
Vom Amerikaner John Friend 1997 begründeter Yogastil, der Tantra-Elemente in Iyengar-Yoga einfließen lässt.

Ashtanga-Vinyasa Yoga
Eine sehr kraftvolle und dynamische Form des Hatha-Yoga. Einzelne Asanas - oft durch Sprünge miteinander verbunden -werden in vorgegebenen, sehr fordernden dynamische Reihen im indischen Stil geübt. Während des Übens wird gelehrt auf eine bestimmte Art zu atmen (Ujjayi-Atmung).
Vom Inder Sri Krishna Pattabhi Jois (1915-2009) entwickelt.

Bhakti-Yoga
Bhaj = dienen bzw. Hingabe.
Bhakti ist die Liebe zu Gott, auch die absolute Hingabe an einen Guru (Lehrer). Bhakti-Yoga lehrt selbstloses Handeln ohne eigene Erwartungen. Jede Handlung beginnt dabei mit dem Willen, die göttliche Vollkommenheit zu erfahren.

Bikram-Yoga
Bikram Yoga besteht aus einer Abfolge von 24 Hatha-Yoga-Übungen (asanas) und zwei Atemübungen (pranayama) - und wird bei 38 Grad und bis zu 40 % Luftfeuchtigkeit praktiziert.
 Es ist ein sportliches und forderndes Yoga, das die physische Körperkraft, Flexibilität und Balance verbessern und durch Schwitzen den Körper entgiften soll.
Vom indischen Yogameister Bikram Choudhury wurden diese 26 Übungen aus mehr als 800 Asanas ausgewählt und zusammengestellt.

Hatha-Yoga
„hatha“= Kraft, Ausdauer, Energie
Hatha Yoga ist ein Oberbegriff für körperbezogenes Yoga, d. h. für yogische Körper- und Atemübungen.
Es ist die im Westen am häufigsten praktizierte Form und wenn allgemein von „Yoga“ gesprochen wird, ist meist Hatha-Yoga gemeint. Viele Lehrerinnen und Lehrer, die ihre Anregungen aus unterschiedlichen Yoga-Traditionen beziehen, betiteln ihre Kurse als Hatha-Yoga.

Hormon-Yoga
Gezielt werden Eierstöcke, Schilddrüse und Nebennieren stimuliert, um die Hormonproduktion anzuregen. Hormonyoga soll nicht nur im Klimakterium und bei Wechselbeschwerden helfen, sondern wird auch erfolgreich bei Frauen, die einen Kinderwunsch haben, eingesetzt. Es wirke sich auch positiv bei Menstruationsbeschwerden oder dem prämenstruellen Syndrom aus.
Die brasilianische Psychologin und Yogalehrerin Dinah Rodrigues kombinierte Trainingszyklen mit Übungen aus dem Hatha-Yoga, dem Kundalini Yoga und tibetische Energieübungen und entwickelte so das sog. „Hormon-Yoga“.

Integraler Yoga
Diese Form des Yoga vereint Körperhaltungen, Tiefenentspannung, Atemübungen und Meditation sowie positives Denken. Ein in der indischen Tradition verwurzelter, eher geistiger Weg, in dem mehr Wert auf eine ruhige, meditative Stimmung, als auf Exaktheit und Genauigkeit der Asanas gelegt wird.
Von Swami Satchidananda, Schüler von Swami Sivananda entwickelt.

Iyengar-Yoga
Iyengaryoga beschäftigt sich mit Ausführung und Wirkung von Körperhaltungen (Asanas) und Atemübungen (Pranayama). Typisch ist die Verwendung von Hilfsmitteln, wie z.B. Gurten, Klötzen, usw. und bei Bedarf werden die Übungen in Zwischenschritte aufgeschlüsselt. Genaue Beobachtung, Anweisung, Korrektur und ein didaktisch gut durchdachter Unterrichtsstil bringen Übende in exakte Positionen.
Vom Inder B.K.S. Iyengar (sprich: aiyengar) begründeter kraftvoller Yogastil.

Jnana-Yoga
„jnana“ = Wissen, Erkenntnis
Jnana-Yoga bezieht sich auf weltliches, wissenschaftliches und spirituelles Wissen. Sozusagen der Weg der Erkenntnis (der höchsten Wahrheit).

Jivamukti-Yoga
"Jivamukti" = die Befreiung der Seele
Ineinander fließende tänzerische Körperübungen wechseln mit Gesängen und spezieller Atemtechnik. Ziel der modernen Form des Hatha-Yoga ist: mentale Stärke und Ausgeglichenheit zu entwickeln.
Von der Tänzerin Sharon Gannon und dem Künstler David Life in den 80er Jahren in New York entwickelt.

Karma-Yoga
"karma" = machen, tun
Das „Yoga des selbstlosen Dienstes“ lehrt neutral und bewusst zu handeln und nicht nach eigenen Vorlieben oder Abneigungen,denn jede Handlung hat einen Effekt auf das Umfeld, auf Personen, Lebewesen usw. Es lehrt sozusagen das Ego zu neutralisieren.

Kripalu-Yoga
Grundlage sind sanfte Körperübungen unterstützt durch fließendes Atmen mit dem Ziel eines distanzierten und bewußten Gewahrseins des dabei ablaufenden Prozesses. Wichtig sind Selbst-Akzeptanz und emotionale Stabilität. Praktische Übungen spielen zwar eine wichtige Rolle, die äußere Vollkommenheit von Körperhaltungen oder Atemtechniken sind eher sekundär.
Vom Inder Amrit Desai begründet.

Kriya-Yoga
Eine sehr alte indische Übungsmethode, bestehend aus speziellen Körper- und Atemübungen, Reinigungstechniken, Meditation mit Schwerpunkt auf Geistesschulung.
Bekanntester Vertreter war der Inder Paramahamsa Yogananda.

Kundalini-Yoga
Im Kundalini-Yoga geht es um Anregung und Verstärkung jener Energie, die als im Becken bzw. am unteren Ende der Wirbelsäule (Kundalini) ruhend angesehen wird. Dies wird durch intensive Atemübungen, Asanas, Kriyas (reinigende Übungen) und Meditation erreicht.

Luna-Yoga
Ein junger, im Westen entstandener Stil, in dem Yoga-Übungsreihen speziell auf die individuellen Bedürfnisse von Frauen abgestimmt sind.

Power-Yoga
Eine verkürzte und vereinfachte Form des Ashtanga-Yoga, die vor allem in Fitness-Centern als Fitness- und Workout-Technik praktiziert wird.

Raja-Yoga
Raja-Yoga meint heute v.a. Meditationsübungen, die sich auf den "Achtfachen Yoga-Weg des Patanjali" beziehen. Dieser wird dann - im Gegensatz zum Hatha-Yoga - als stärker geistig orientierter Yoga-Weg verstanden.

Sivananda-Yoga
Gelehrt werden weltweit seit ca. 50 Jahren: Asanas (Körperstellungen), Atemübungen, Tiefenentspannung, Ernährung, positives Denken und Meditation.
Die Sivananda-Yoga Vedanta Zentren wurden von Swami Vishnudevananda (1927-1993) gegründet, ein Lehrer des Hatha- und Raja-Yoga und enger Schüler des Yogameisters und Arztes Swami Sivananda (1887-1963).

Tao Yin Yoga
"Tao Yin" (chin.) = beugen und strecken
So wird das chinesische Yoga, das ähnliche Elemente wie das indische Hatha-Yoga hat, bezeichnet. Beim Tao Yin Yoga werden vor allem die dynamische Beweglichkeit, innere Kraft und Elastizität der Bänder und Sehnen betont. Im Mittelpunkt steht die Atemlenkung, Tiefenentspannung und Stärkung des Bauchbereiches und der Wirbelsäule. Tao Yin bietet die Grundlage für Tai Chi, Qigong und für längere Meditationen.

Yoga in der Tradition T. Krishnamacharya / Viniyoga
Atmung und Bewegung werden präzise koordiniert, in fließenden Abläufen (dynamisches Üben) und ruhigen Haltungen (statisches Üben), je nach Situation und Sinn der Praxis. Philosophie, Reflexion, Meditation haben ihren Platz. Die individuelle Anpassung der Praxis an die Bedürfnisse der Gruppe oder des Einzelnen sind ein besonderes Merkmal dieser Art zu üben. Dementsprechend wird der Einzelunterricht sehr hoch geschätzt.
Der Inder Tirumalai Krishnamacharya (1888-1989) war der Lehrer vieler Yogalehrerinnen und -lehrer, die heute im Westen bekannt sind (BKS Iyengar, Sri K. Pattabhi Jois uvm.). Sein Sohn T.K.V. Desikachar setzt die Tradition fort.

Yoga im täglichen Leben
Das System "Yoga im täglichen Leben" ist ein methodisch aufgebauter Übungsweg, der die jahrtausendalte Weisheit und Wissenschaft des Yoga mit den Erkenntnissen der modernen Medizin verbindet.
Von Paramhans Swami Maheshwarananda entwickelt, der seit 1972 in Wien lebt.

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